[osstreffen-discuss] Oracle vs. OS-Welt

Olaf Radicke briefkasten@olaf-radicke.de
So Okt 3 23:32:45 CEST 2010


Am Sonntag, den 03.10.2010, 22:23 +0200 schrieb Olaf Radicke:
> Hi!
> 
> Was sagt ihr eigentlich zu den Jüngsten Entwicklungen mit Oracle? Ich
> hab hier mal meine Überlegungen zum besten gegeben:
> http://www.the-independent-friend.de/?q=node/678

Irgendwie ist das deplatziere in dem Quaker-Blog. Ich kopier das mal in
die Mail hier und lösche das da...

Der Text:

Der Kauf von Sun - und damit Java- durch Oracle, entwickelt sich für
Java zu einer mittleren Katastrophe. Mit der Patentklage gegen Google
diskreditiert Oracle sich als Open Source-Partner nicht nur selbst, was
Oracle offenbar auch völlig egal ist. Jedenfalls könnte man den Eindruck
bekommen, wenn man sich anschaut, dass sie in kürzester Zeit so jedem
Projekt ans Bein geschifft haben, dass zuvor mit Sun in Verbindung
stand. Angefangen von Open Solaris, über PostgreSQL, weiter mit MySQL
und OpenOffice.org. Die meisten Projekte haben sich mittlerweile
außerhalb von Oracle reorganisiert, oder tun das gerade.

Aber mit dem Angriff gegen Google haben sie nicht nur sich selbst aus
der OpenSource-Szene katapultiert, sondern gleich eine ganze Technologie
als OpenSource-Platform diskreditiert. Ein kurzer Blick in die Open
Source Geschichte verdeutlicht was ich meine. Lange Zeit stand die
OpenSource-Szene der Java-Technologie sehr skeptisch gegen- über. Grund
war zum Einen, dass Java nicht unter einer Freien Lizenz stand und zum
Anderen wurde der Entwicklungsprozess sehr stark von Sun kontrolliert.
Erst vor wenigen Jahren gab es mit OpenJDK eine Version unter Freier
Lizenz. Zu dem Zeitpunkt gab es eine recht brauchbare Implementierung
der Dot.net-Technologie unter Freier Lizenz, -das Mono-Projekt. Ich
glaube, erst als Mono begann im OpenSource-Umfeld für Java und damit Sun
gefährlich zu werden, entschloss man sich zur Freigabe von OpenJDK und
der Öffnung des Entwicklungsprozesses. Das wiederum förderte die
Akzeptanz von Jave im OpenSource-Umfeld. RedHat z.B. hat in den letzten
Jahren sehr viel Geld in Java-Technologie investiert. Durch die
Patentklage werden auch diese Projekte bedroht.

Ich bin zuversichtlich, das RedHat und andere OpenSource-Projekte den
Angriffen durch Oracle widerstehen können. Die jahrelangen
Auseinandersetzung um SCO vs. Linux haben das gezeigt. Trotzdem entsteht
ein immenser Schaden! Viele Firmen waren zu Beginn verunsichert duch die
Prozesse, die SCO führte. Genauso verunsichert werden jetzt wieder
einige Firmen reagieren. Einige werden anführen, Oracle sei viel größer
als SCO und hätte deshalb bessere Chancen zu gewinnen. Das mag stimmen,
aber auf der anderen Seite legt sich Oracle gerade mit den wichtigsten
Handy-Herstellern an, die auch nicht gerade kleine Fische sind. In
diesem Jahr ist Linux das Betriebssystem Nummer Zwei auf dem
Smartphone-Markt. Viele Hersteller sind gerade dabei, zu Linux zu
wechseln. Samsung hat angekündigt zu Linux zu wechseln und SymbianOS
aufzugeben.  Auch Sony Ericsson hat sich schon von SymbianOS
verabschiedet. Ich glaube Linux hat gute Aussichten 2011 OS Nummer 1 auf
dem Smartphone-Markt zu werden. Und somit wird es quasi heißen: "Oracle
gegen den Rest der Welt!" Um es mal etwas polemisch aus zu drücken.

Trotz allem Optimismus wird der Prozess (oder bald "die Prozesse"?)
negative Auswirkung haben. Linux ist nicht zuletzt auch deshalb so stark
geworden, weil BSD in jahrelange Rechtsstreiten verwickelt war. Dass sie
letztlich gewonnen haben, interessiert heute keinen mehr. Gut möglich
also, dass Oracle Java "erfolgreich" kaputt macht (im OpenSource
Bereich), aber es ist genauso gut möglich, dass dadurch eine andere
Technologie gefördert wird, die dann schließlich das Rennen macht.
Vielleicht das Mono-Projekt oder das Qt-Projkt.





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